Energie & Wasser

Grundwasser: Gewohnte Qualität für Leverkusen

20.08.2021
Lesezeit: 4 min.

Die Energieversorgung Leverkusen erreichen viele Nachrichten besorgter Bürger. Sie wollen wissen, ob das Trinkwasser nach dem Hochwasser und Chemie-Unfall im Juli noch genießbar ist. Trinkwasser-Experte Alexander Boßhammer erklärt, warum die Trinkwasserversorgung nicht beeinträchtigt ist und die EVL Glück im Unglück hatte.

Trinkwasser-Experte Alexander Boßhammer auf den Feldern in der Wasserschutzzone.

Erst Corona, dann das Hochwasser entlang Wupper und Dhünn, zuletzt die Explosion in der Bürriger Sondermüll-Verbrennungsanlage der Currenta: Das Jahr 2021 ist bislang nicht das von Leverkusen. Während sich Ängste und Unsicherheit immer tiefer in den Alltag vieler Einwohner fressen, tauchen bei der EVL immer mehr Kundenfragen zum Thema Trinkwasser auf: Hat die Explosion das Grundwasser verseucht? Wurden die Anlagen zur Trinkwassergewinnung überflutet und kann ich das Wasser aus dem Hahn überhaupt noch trinken? Die gute Nachricht vorweg: „Auch 2021 war das Leverkusener Trinkwasser zu keiner Zeit beeinträchtigt und kann bedenkenlos getrunken werden“, sagt Alexander Boßhammer. Der Georessourcenmanager kümmert sich um die Grundwasser-Qualität des Rheindorfer Trinkwassers und hat die Lage nach den beiden Katastrophen analysiert.

Stichwort Hochwasser: Das Rheindorfer Wasserwerk fördert für die Leverkusener Trinkwasserversorgung Grundwasser, welches sich im Bereich zwischen Rheindorf und Langenfeld-Reusrath bildet. Rheindorf war jedoch durch das Hochwasser weniger betroffen: „Am südlichen Ende des Grundwasser-Einzugsbiet im Bereich Wupperstraße/Westring hatten wir die Flut am Rand unserer Schutzzone“, sagt Alexander Boßhammer. Das ließ sich danach auch noch an den Werten der dort gelegenen Grundwasser-Messstellen ablesen. Besorgt ist der Trinkwasser-Experte aber nicht: „Da das Grundwasser nur langsam fließt, braucht es Monate, bis es beim Wasserwerk ankommt.“ In dieser Zeit reinigen die Gesteinsschichten das Grundwasser, sodass sich die Flut nicht auf die Trinkwasserqualität im Wasserwerk Rheindorf auswirkt.

Wir beproben das Trinkwasser seit den Ereignissen im Sommer noch engmaschiger.“

Alexander Boßhammer, Trinkwasser-Experte bei der EVL.

Und wenn doch? „Wir beproben das Trinkwasser seit den Ereignissen im Sommer noch engmaschiger und können in diesem unwahrscheinlichen Fall die Versorgung für ganz Leverkusen über den Wasserturm laufen lassen“, sagt der EVL-Mitarbeiter. Das Wasserturm-Wasser kommt aus der Großen Dhünn-Talsperre. Diese war, im Gegensatz zur Wupper-Talsperre, vom Starkregen nicht betroffen. An der Wupper-Talsperre trug die Überschwemmung von Betrieben und Haushalten oberhalb der Talsperre mehr als 100.000 Liter Substanzen in das Staubecken ein.

Findet das von der EVL beauftragte Trinkwasserlabor der RheinEnergie bei einer der engmaschigen Kontrollen etwas in der Probe, ist die EVL verpflichtet, umgehend den Amtsarzt des Gesundheitsamts zu informiere. Der entscheidet dann, welche Maßnahme zum Schutz der Trinkwasser-Kunden ergriffen wird.  „Wir sind dann auf alle Szenarien vorbereitet und informieren kurzfristig per Handzettel und Radio über Maßnahmen wie Abkochgebote“, sagt Boßhammer.

Rauchsäule zieht nicht über Grundwasser-Einzugsgebiet

Stichwort Currenta-Unfall: Nach der Explosion des Sondermüll-Tanks am Morgen des 27. Juli bildete sich schnell eine hohe schwarze Rauchsäule, die in nord-östlicher Richtung von Bürrig aus über Leverkusen zog. „Auch hier hatten wir aus Sicht der Wasserversorgung Glück im Unglück, denn die Rauchfahne zog knapp am Einzugsgebiet vorbei“, so Boßhammer weiter. Nach Messungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) geht dieses Mitte August „von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass es außerhalb des Werksgeländes nicht zu einem relevanten Stoffeintrag kam“.

In den Schutzzonen rund um das Wasserwerk Rheindorf wurden laut Leverkusener Umweltamt nach dem Unglück zudem keine Rußniederschläge gemeldet. „Sehr wahrscheinlich war die Temperatur höher als 900 Grad und ab dann wird die Struktur von Dioxinen zerstört“, sagt der Georessourcenmanager. Zudem haben Dioxine – ähnlich wie auch Heizöl nach Überflutungen – im Erdreich eine geringe Mobilität. „Diese würden dadurch im Boden gebunden und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dem Grundwasser zufließen.“

Die Currenta hat eine Info-Seite zu den Ereignissen in Bürrig erstellt und informiert dort fortlaufend und ausführlich.