Wassermeister Klaus Bonrath san seinem Arbeitsplatz im Pumpenhaus des Wasserturms. Wassermeister Klaus Bonrath san seinem Arbeitsplatz im Pumpenhaus des Wasserturms.
Energie & Wasser

EVL-Wasserturm: Mit Schwerkraft zum Wasserdruck

11.09.2020
Lesezeit: 3 min.
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Der Leverkusener Wasserturm funktioniert denkbar einfach – und die EVL produziert mit ihm nebenbei noch Strom. Ein Blick in die Technik:

„Wo ist denn jetzt das Wasser?“, ist die wahrscheinlich häufigste Frage von Besuchern auf dem Wasserturm.  Obwohl Wassertürme schon seit mehreren Jahrhunderten gebaut werden, wissen nur die Wenigsten über ihren Aufbau und die Funktionsweise Bescheid. Dabei funktioniert ein Wasserturm sehr einfach. Klaus Bonrath, Wassermeister bei der Energieversorgung Leverkusen, ist mit seinen Kollegen für den Betrieb des Wasserturms zuständig. Ziel ihrer Arbeit ist ein konstanter Wasserdruck im Leverkusener Trinkwassernetz. Im Wasserturm steht das Wasser in einer Höhe von 60 Metern „Nur durch das Prinzip der Schwerkraft beträgt der Netzeingangsdruck am Fuße des Turms sechs bar. Das reicht aus um alle Haushalte, die unterhalb des Wasserturm liegen, mit einem ausreichenden Wasserdruck zu versorgen“, sagt der EVL-Mitarbeiter.

Der Wasserturm an der Olof-Palme-Straße in Leverkusen-Bürrig.

Da der Wasserdruck in den 1960er-Jahren stellenweise zu gering war, musste eine technische Lösung her. „Nach dem damaligen Stand der Technik haben sich die Verantwortlichen für einen Wasserturm entschieden“, sagt Bonrath. Heute wäre eine Druckerhöhungsanlage mit Pumpen das Mittel der Wahl. „Und Leverkusen hätte ein Wahrzeichen weniger.“

Heute würden wir keinen Wasserturm mehr bauen und Leverkusen hätte ein Wahrzeichen weniger.

Klaus Bonrath, Wassermeister bei der EVL

Doch wie kommt das Wasser in die Turmtasse? „Dabei hilft uns wieder die Schwerkraft“, sagt Bonrath. Das Wasser fließt aus der viel höher gelegenen Großen Dhünn-Talsperre in Dabringhausen über Rohrleitungen runter nach Leverkusen. Durch den Höhenunterschied von 170 Metern ist der Wasserdruck so hoch, dass sich die beiden Kammern oben im Turm von alleine füllen. „Wir brauchen keine Pumpen und technischen Hilfsmittel“, sagt der Wassermeister. Im Gegenteil: Der Wasserdruck am Fuß des Turms ist sogar so hoch, dass eine Turbine mit 50 Kilowatt Leistung betrieben kann. Durch die Turbine wird der Eingangsdruck von rund 16 bar auf sechs bar reduziert.

Der Weg des Trinkwassers von der Großen Dhünntalsperre bis in die Haushalte

Bevor das Wasser sich auf den Weg über den Wasserturm zu den Leverkusener Haushalten macht, wird es noch gereinigt. Im Wasserwerk Dabringhausen wird das kühle Nass in sechs Aufbereitungsstufen vom so genannten Rohwasser zu Trinkwasser aufbereitet.

In Leverkusen angekommen drückt sich das Wasser über die Rohrleitungen nach oben in die beiden Kammern in den Turm. Die haben es in sich: Rund 4.000 Kubikmeter Wasser sammelt sich hier. „Der Wasserturm wurde nicht nur für die Druckregulierung gebaut, sondern auch als Speicher für Spitzenzeiten“, sagt Bonrath. Mit einer Füllung käme ein Leverkusener rund 96 Jahre aus. Da aber mehr Leverkusener über den Wasserturm versorgt werden, füllen sich die Kammern drei bis vier Mal am Tag wieder auf. „Wasserturm und Wasserwerk Rheindorf geben bis zu 18 Millionen Liter Wasser am Tag ab.“

Ausmaße wie in einer Kathedrale: Im Innern einer der beiden Wasserturm-Kammern.

Ein Teil der Leverkusener Trinkwasserversorgung läuft über den Wasserturm. Ein anderer Teil der Haushalte bekommt sein Wasser über das Wasserwerk Rheindorf. Einen genauen Überblick gibt es auf der EVL-Homepage.