Energie & Wasser

Leverkusener Trinkwasser: Viel Aufwand für hohe Qualität

23.03.2022
Lesezeit: 4 min.

Leverkusener Bürgerinnen und Bürger können genau nachvollziehen, welche Inhaltsstoffe ihr Trinkwasser hat: Sämtliche Analysen stehen gebietsgenau und aktualisiert in einem Trinkwasserportal.

„Unser Trinkwasser kommt doch aus dem Bereich der ehemaligen Deponie“, sagt eine ältere Dame aus Bürrig bei einer Infoveranstaltung zur Leverkusener Wasserversorgung. Sie trinke Wasser grundsätzlich nur aus Flaschen und traue dem Produkt aus dem Hahn nicht. In der Chemiestadt Leverkusen sind die Sorgen vor dem „was da im Boden liegt“ groß, aber in Bezug auf das Trinkwasser völlig unbegründet. „Trinkwasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland und kann jederzeit bedenkenlos getrunken werden“, sagt Alexander Boßhammer. Der Georessourcenmanager kümmert sich bei der EVL mit weiteren Kollegen um die Trinkwasserqualität und hat den Überblick.

Den Überblick kann auch jeder Leverkusener Trinkwasserkunde mit wenigen Klicks bekommen, denn Alexander Boßhammer pflegt das Portal wasserqualität-online.de. Im Trinkwasserportal tippt jeder Kunde einfach nur seine Adresse ein und kann dann ein PDF-Dokument mit seiner Trinkwasser-Analyse abrufen. Außerdem ist es möglich, die Markierung in der Karte an jeden Ort in Leverkusen zu verschieben und die jeweilige Trinkwasser-Analyse zu lesen. „Die entsprechenden Daten haben wir zuvor gebietsgenau eingepflegt“, sagt Boßhammer. Jährlich aktualisiert der EVL-Mitarbeiter die Daten. Pünktlich zum Weltwassertag am 22. März sind die neuen Werte eingepflegt und das Portal aktualisiert.

Kupfer, Natrium, Calcium. In der Analyse-Datei erfährt der Verbraucher die aktuellen Messwerte der Inhaltsstoffe seines Trinkwassers. Die Grenzwerte laut Trinkwasserverordnung (TVO) sind in der Analyse zum Vergleich ebenfalls mit angegeben. Neben den Messwerten ist der Härtebereich des Wassers angegeben. „Weich“, „mittel“, „hart“ – Verbraucher, die ihre Wasserhärte kennen, können bei entsprechender Dosierung Waschmittel sparen. Das macht nicht nur vor dem Hintergrund des Sparens Sinn, sondern schont auch die Umwelt. Je weicher das Wasser, desto besser schmeckt auch der Tee. Kein Problem auf Leverkusener Stadtgebiet: „Alle Haushalte bekommen weiches Trinkwasser“, so Boßhammer weiter.

Alexander Boßhammer (li.) lässt auf den Wiesen Rheindorfs eine Wasserprobe entnehmen.

Damit nur einwandfreies Trinkwasser zum Verbraucher gelangt, nimmt die EVL regelmäßig Proben an ihren zahlreichen, im Stadtgebiet verteilten Messstellen. Die Messverfahren sind dabei so fein, dass keine Verunreinigung des Trinkwassers übersehen werden kann. „In der Großen Dhünn-Talsperre ist es mit den heutigen Messmethoden möglich, einen Zuckerwürfel nachzuweisen“, sagt der Georessourcenmanager. Die Analyse übernimmt das Labor der RheinEnergie in Köln.

„Trinkwasser wird besser und detaillierter kontrolliert als Tafelwasser.“

Alexander Boßhammer, Trinkwasser-Experte bei der EVL.

Jährlich wird mit rund 260 Proben die Einhaltung von Hygienevorschriften und Grenzwerten überwacht. Stimmt ein Messwert nicht, geht eine Meldung raus zum zuständigen Amtsarzt. Der entscheidet dann in Absprache mit der EVL das weitere Vorgehen. „Die gesetzlichen Qualitäts-Anforderungen der Trinkwasser-Verordnung an Trinkwasser sind wesentlich höher als bei Tafelwasser“, sagt Boßhammer. Das bedeute zwar nicht, dass jedes Tafelwasser per se schlechter sei. „Trinkwasser wird aber besser und detaillierter kontrolliert.“ Die Tester der Stiftung Warentest kontrollieren in regelmäßigen Abständen in deutschen Städten und Gemeinden das Trinkwasser. Das Ergebnis im Jahr 2019 nach den Trink­wasser­proben: Die Grenz­werte der Trink­wasser­ver­ordnung – ob für Nitrat, Uran oder Arsen – wurden bei allen Proben einge­halten. 

Im Labor kann ein Zuckerwürfel in der Großen Dhünntalsperre nachgewiesen werden. (Foto RheinEnergie)

Doch wo kommt das Wasser der Bürriger eigentlich her, wenn nicht aus dem Gebiet der ehemaligen Deponie? Rund zwei Drittel des Wasserbedarfs kommen seit Ende der 1980er Jahre von weit her aus der Großen Dhünn-Talsperre. Damit werden Gebiete wie Wiesdorf, Manfort, Schlebusch, Steinbüchel, Lützenkirchen und Quettingen direkt versorgt.  

Hitdorf, Rheindorf, Bürrig, Küppersteg, Opladen und Alkenrath beziehen ihr Wasser aus dem Wasserwerk Rheindorf. Dort fördert die EVL rund 30 Prozent des Gesamtwasserbedarfs aus einem Grundwasservorrat, der aus dem Bergischen Land gespeist wird. Das Rheindorfer Grundwasser wird mit einem Drittel  Talsperrenwasser und einem geringen Teil Uferfiltrat gemischt, bevor es in die Haushalte kommt.

Das Leverkusener Trinkwasser wird nicht nur streng kontrolliert, sondern ist auch in ausreichendem Maß vorhanden. „Nach drei trockenen Jahren in Folge hat sich der Füllstand der Großen Dhünn-Talsperre seit dem vergangenen Jahr wieder gut erholt“, sagt Alexander Boßhammer. Im Februar hat es so viel geregnet, dass der Wupperverband zwischenzeitlich Wasser ablassen musste, um den Anforderungen des Hochwasserschutzes gerecht zu werden. Zu Beginn der Vegetationsperiode liegt der Füllstand bei 96 Prozent und ist damit so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Auch die Grundwasservorkommen im EVL-Wasserwerk in Rheindorf sind nach den ergiebigen Regenfällen der vergangenen Monate stabil.